| Filter Filmmagazin - Mai 2001 | ||
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Der Schneider von Panama |
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Schönen Guten Tag. Bewegen wir uns doch einmal mit dem Schritt eines Gegenpapstes unter der Zeit weg wie unter dem Regen. Für zwei, drei Pathos-Effekt-Momente. Verona Feldbusch zum Beispiel: Ich habe sie an unserem ersten Tag im Affekt vergewaltigt. Seitdem entzieht sie sich und wird mit jedem Tag begehrenswerter. Schon auch, weil jeder Übergriff natürlich eine absolute Katastrophe wäre. Was ich sagen will: Es gibt nichts mehr, das man noch irgendwie von irgendwas befreien müsste – alles passiert. Und der Dreck ist übrig geblieben. Auf den Pressevorführungen zum Beispiel lernt man inzwischen seine Freunde hassen für ihr brutales und ekliges Lachen. Die hier, das war so eine. Pierce Brosnan – der Verführer – arbeitet für den britischen Geheimdienst. Er schiebt die Zunge zwischen Schneidezähne und Unterlippe und dann sagt er: »Wie Oralsex ist das ein düsterer und einsamer Job. Aber irgendjemand muss ihn schließlich machen.« Genau! Wann haben Sie gelacht? Später sagt er zu Jamie Lee Curtis, der Ehefrau des Ehemannes Geoffrey Rush, der über diese Art Jobs zum Schmierenkomödianten wurde – der Hampelmann und die biedere Verwaltungsangestellte, beide im Business von Panama: »Sie sind also der Kanal!« Und wieder brüllen alle. Das Problem ist halt manchmal: Wie können alle, einschließlich »Point Blank«-Vital-Potent-Boorman, glauben, ein Anti-Bond, das wäre einer, der noch ein wenig zynischer als der echte ist, wenn überhaupt, eigentlich nur ordinärer – weil damit alles auf der Hand läge und sozusagen Aufklärung betrieben würde: sexuelle, filmästhetische. Was? Wie? Hinterher nieselte es die allerfauligsten Ausdreden. Das wär doch schon auch konkret politisch gewesen: John le Carré hätte da doch keinen Mist geschrieben. Na hör mal! Der Panama-Kanal! Da geh mal erstmal ins Internet! Und ansonsten ist das eben so mit der Politik. So läuft das: privat vor allem. Ist selbst von Markus Wolf inzwischen bestätigt (meinte die Frau, die der Verleih für die Pressearbeit angestellt hatte). Okay. Polititk ist Psychologie im Sinne von Psychologie einer Nation. Pierce Brosnan ist ein guter Mensch: Er hat im realen Leben viel gegen den Frauenbrustkrebs getan (die »National Women's Cancer Research Alliance«). Und für die Grauwale im Pazifik. Ja. Und so weiter (»Entertainment Industrie Foundation«) – mehr geht nicht. Klar. Ich bin so hysterisch wie die ganze verfaulte Restlinke. Stimmt. Noriega und so – das ist schon ein Effekt, dass die Leute wieder drüber reden werden. Mehr will das nicht. Und außerdem kriegt man ja noch so Lebensweisheiten auf den Leib geschneidert (Geoffrey Rush, Narr statt Hampelmann: Geschichtenerfinder: Schneider von Noriega): »Im Gefängnis lügt man als Ersatz für die Liebe.« Alles viel komplizierter also. Schönen Abend auch. • Alexander Reich |
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